Raumgewicht und Stauchhärte: die zwei Zahlen, die über die Haltbarkeit entscheiden
Im Datenblatt einer Schaumstoffmatratze stehen zwei Kürzel, die kaum jemand erklärt: RG und kPa. Das eine ist das Raumgewicht, das andere die Stauchhärte. Zusammen sagen sie dir, wie lange die Matratze hält und wie fest sie sich anfühlt, und das unabhängig voneinander. Wer nur auf den Härtegrad schaut, kauft nach dem Gefühl der ersten Nacht und nicht nach der Haltbarkeit. Das Raumgewicht sagt dir, wie lange eine Matratze hält, die Stauchhärte, wie fest sie sich anfühlt, und wer beides auseinanderhält, kauft nur einmal.
In Kürze
Das Raumgewicht sagt, wie viel Schaum in einem Kubikmeter steckt, und entscheidet über Rückstellkraft und Lebensdauer. Die Stauchhärte sagt, wie viel Kraft nötig ist, um die Oberfläche einzudrücken, und entscheidet über das Liegegefühl. Beide Zahlen sind voneinander unabhängig, eine harte Matratze kann kurzlebig sein und eine weiche jahrelang halten. Bei Federkernmatratzen kannst du dir beide sparen, dort trägt der Federkern und nicht der Schaum, deshalb geben die Hersteller das Raumgewicht dort meist gar nicht an. Und wenn deine Matratze keine sichtbare Kuhle hat und du morgens beschwerdefrei aufstehst, brauchst du überhaupt keine neue, egal was im Datenblatt steht.
Was das Raumgewicht wirklich angibt
Bei der Herstellung von Schaumstoff wird Polyurethan aufgeschäumt. Dabei entstehen Lufteinschlüsse, die für Luftzirkulation und Formstabilität sorgen. Das Raumgewicht gibt an, wie viel Rohmaße dabei je Kubikmeter übrig bleibt, gemessen in Kilogramm je Kubikmeter. Es beschreibt also die Dichte des Materials, weshalb manchmal auch von Raumdichte die Rede ist.
Je dichter der Schaum, desto besser die Rückstellfähigkeit. Damit ist gemeint, wie schnell der Kern nach einer punktuellen Belastung wieder seine Form annimmt. Legst du dich hin, entsteht eine Mulde. Stehst du auf, sollte sie sich zügig glätten. Je länger das dauert, desto näher ist die Matratze daran, dauerhaft durchgelegen zu sein.
Die Zahl gilt nur für Kerne aus Schaum, also Kaltschaum, Komfortschaum, Viscoschaum, Gelschaum und Latex. Bei einer Federkernmatratze spielt sie fast keine Rolle, weil dort die Federn tragen. Deshalb steht sie in deren Datenblättern so gut wie nie.
Welcher Wert wie lange hält
Für Matratzen gilt als Faustregel: RG 25 hält etwa ein Jahr, RG 30 zwei bis drei Jahre, RG 40 sechs bis acht Jahre, RG 50 acht bis zehn Jahre, ab RG 60 auch länger. Als Untergrenze für den täglichen Gebrauch gelten 40. Für ein Gästebett oder ein Kinderbett, das selten belegt ist, darf es weniger sein.
Bei Toppern liegen die Werte niedriger, weil der Kern dünner ist und die Matratze darunter mitträgt. Üblich sind maximal 50 Kilogramm je Kubikmeter. RG 20 und RG 30 sind bei einer Auflage schnell durchgelegen, ab RG 40 sind drei bis sechs Jahre realistisch, bei RG 50 sechs bis acht. Eine Auflage unter RG 40 kaufst du für eine Saison, nicht für Jahre.
Eine Ausnahme lohnt die Aufmerksamkeit: Bei Komfortschaum sollte der Wert immer möglichst hoch liegen. Das Material ist von Haus aus weniger belastbar als Kaltschaum, ein niedriges Raumgewicht verstärkt diesen Nachteil.
Welche Werte bei welchem Material üblich sind
Die Spannen unterscheiden sich je nach Schaumart. Bei Kaltschaum reicht das Feld von RG 30 im Einstiegsbereich bis RG 60 und darüber, gute Modelle beginnen bei 40. Komfortschaum liegt meist darunter und ist deshalb der Fall, in dem ein hoher Wert am meisten bringt.
Viscoschaum und Gelschaum liegen als Auflage typischerweise bei RG 50, als Matratzenkern höher. Beide Materialien sind schwerer als Kaltschaum, ein höheres Raumgewicht schlägt hier also stärker auf das Handling durch. Latex bringt von Haus aus die höchste Dichte mit, Werte um 70 sind dort normal und keine Auszeichnung.
Eine Rollmatratze hat oft ein vergleichsweise niedriges Raumgewicht. Das ist kein Mangel, sondern Teil des Konzepts: Sie soll leicht und flexibel sein und wird häufig als Zweitmatratze oder im Gästezimmer eingesetzt. Für das Hauptbett mit täglicher Nutzung ist sie damit die falsche Wahl.
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Raumgewicht selbst nachrechnen
Nennt der Hersteller keinen Wert, rechnest du ihn aus. Die Formel lautet Raumgewicht gleich Gewicht des Kerns geteilt durch sein Volumen. Das Volumen bekommst du, indem du Länge mal Breite mal Höhe rechnest, jeweils in Metern. Ein Kern von 90 mal 200 Zentimetern und 16 Zentimetern Höhe hat also 0,288 Kubikmeter Volumen. Wiegt er 12 Kilogramm, liegt das Raumgewicht bei rund 42.
Wichtig ist, dass du mit dem Gewicht des Kerns rechnest und nicht mit dem Versandgewicht. Bezug und Verpackung bringen schnell zwei Kilogramm mit und heben das Ergebnis um mehrere Punkte. Krumme Werte rundest du: Kommen 28 heraus, ist die Matratze mit Modellen vergleichbar, die als RG 30 verkauft werden.
Steht auf der Produktseite nur das Versandgewicht, hilft ein Blick in die Pflegehinweise: Nennt der Hersteller das Gewicht des Bezugs, ziehst du es ab. Fehlt auch das, rechne bei einer Matratze in 90 mal 200 mit rund eineinhalb bis zwei Kilogramm für Bezug und Verpackung und behandle dein Ergebnis als Untergrenze, nicht als Messwert.
Eine Fehlerquelle bleibt. Manche Hersteller arbeiten mit großen Luftkanälen, Rillen oder Einschnitten an der Oberfläche, um Liegezonen zu erzeugen. Dann steckt weniger Material im Kern, als die Höhenangabe vermuten lässt, und der nachgerechnete Wert fällt niedriger aus als der angegebene. Beides kann stimmen, gemeint ist nur nicht dasselbe.
Wo das Raumgewicht nichts aussagt
Ein hoher Wert ist nicht in jedem Fall der bessere. Dichter Schaum ist weniger luftdurchlässig, und bei einer Auflage liegt der Kern direkt auf der Matratze, wo Feuchtigkeit ohnehin schlecht abzieht. Deshalb liegen die üblichen Werte für Auflagen bei maximal 50 und nicht dort, wo Matratzen interessant werden. Wer nachts stark schwitzt, fährt mit einem offenporigen Kaltschaum besser als mit dem dichtesten Kern, den er finden kann.
Der zweite Preis für Dichte ist Gewicht. Ein Kern mit RG 70 in 180 mal 200 Zentimetern lässt sich allein kaum wenden, und gewendet werden sollte eine Matratze etwa zweimal im Jahr. Rechne das ein, bevor du auf den höchsten verfügbaren Wert gehst. Dasselbe gilt für den Preis, der mit der Dichte steigt, ohne dass die Liegequalität im selben Maß mitwächst.
Und schließlich sagt das Raumgewicht nichts über den Aufbau. Zwei Kerne mit demselben Wert können sich völlig verschieden anfühlen, wenn der eine sieben Liegezonen hat und der andere durchgehend gleich geschnitten ist. Das Raumgewicht ist eine Angabe zur Haltbarkeit, keine zum Komfort. Für den Komfort steht die Stauchhärte im Datenblatt, und um die geht es im nächsten Abschnitt.
Ein praktischer Hinweis zum Schluss dieses Abschnitts: Wenn ein Angebot das Raumgewicht nicht nennt, aber Gewicht und Kernhöhe angibt, hast du alles, was du zum Nachrechnen brauchst. Fehlen auch diese Angaben, ist das ein Grund, das Angebot liegen zu lassen. Ein Hersteller, der einen guten Wert erreicht, schreibt ihn in die erste Zeile.
Stauchhärte und was sie vom Härtegrad unterscheidet
Die Stauchhärte wird in Kilopascal angegeben, abgekürzt kPa, und ist eine Druckangabe. Sie sagt, wie viel Kraft nötig ist, um die Oberfläche um einen bestimmten Anteil einzudrücken. Damit ist sie die messbare Grundlage dessen, was im Handel als Härtegrad verkauft wird.
Als Orientierung: 20 bis 30 Kilopascal reichen für Sitzpolster, Rückenpolster und Kindermatratzen. 30 bis 40 passen für Rückenpolster, Gartenauflagen und Gästematratzen. 40 Kilopascal sind der übliche Wert für Matratzenkerne bis etwa 110 Kilogramm Körpergewicht, darüber sind 50 die bessere Wahl.
Der entscheidende Punkt: Raumgewicht und Stauchhärte hängen nicht zusammen. Eine Matratze ab RG 55 hat zwar häufig auch einen höheren Härtegrad, aber nicht deshalb. Du kannst einen dichten Schaum weich einstellen und einen dünnen hart. Wer nur den Härtegrad vergleicht, weiß deshalb nichts über die Haltbarkeit. Wie du den passenden Härtegrad findest, steht auf der Seite zum Matratzen Härtegrad.
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Fazit
Merk dir zwei Zahlen. Beim Raumgewicht ist 40 die Untergrenze für den täglichen Gebrauch, 50 der Wert, ab dem acht bis zehn Jahre realistisch sind, und bei einer Auflage sind 40 schon gut. Bei der Stauchhärte sind 40 Kilopascal der Normalfall bis etwa 110 Kilogramm Körpergewicht. Findest du im Datenblatt keine der beiden Angaben, rechne das Raumgewicht aus Kerngewicht und Volumen nach, das dauert zwei Minuten. Und wenn dein Bett noch trägt und du morgens ohne Verspannungen aufstehst, ist die beste Entscheidung, gar nichts zu kaufen.
Quellen
- Allgemeine Angaben zur Warengruppe, Stand 05.09.2026: übliche Spannen für Raumgewicht und Stauchhärte, Zuordnung zu Nutzungsdauer und Einsatzzweck, Berechnungsformel.
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